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Achtung bei immergrün Energie / 365 AG: Preiserhöhung in AGB-Ankündigung versteckt!

Ich möchte die Gelegenheit nutzen, um eine Warnung vor dem Energieversorger immergrün!-Energie auszusprechen. Die immergrün-Energie GmbH sitzt in Köln und gehört dort offenbar zur ebenfalls im Mediapark registrierten 365 AG. Immergrün wird durch sehr günstige Tarife in den Vergleichsportalen immer wieder nach oben gespült. So auch in meinem Fall, weshalb ich nun ein Jahr lang meinen privaten Strom von Immergrün bezogen habe. Soweit, so gut.

Am 16.06.2018 kam eine Email, in der ich über eine Anpassung der Allgemeinen Geschäftsbedingungen informiert wurde. Ziemlich lahm, wer liest sich das schon durch, nicht wahr? Genau das war wohl die Idee der Leute bei Immergrün, denn in der AGB-Email war nebenbei noch eine Erhöhung des Grundpreises auf 20,00 € pro Monat erwähnt. Vorher habe ich 6,50 € bezahlt. Es handelt sich also um eine Preiserhöhung von über 200 %! Und so sah die Email aus:

Lassen wir uns das einmal auf der Zunge zergehen, so richtig kann ich immer noch nicht glauben, was Immergrün da für Emails verschickt.

1. Absenderadresse

Die Email kommt nicht etwa von einer Email-Adresse auf der Domain immergruen-energie.de, nein sie kommt von kontakt@kundenservice-energie.de. Erst einmal muss man natürlich den Zusammenhang erkennen, dass man da tatsächlich von seinem Energielieferanten angeschrieben wird. Ist man sich aber nicht ganz sicher und geht man mal auf die Website www.kundenservice-energie.de, erscheint Folgendes:

Sieht das wie eine seriöse Firmenwebsite aus, oder vielleicht doch eher wie so eine billige Spamschleuder-Stromanbieter-Vergleichsseite? Es hat mich tatsächlich einen Moment gekostet, um zu begreifen, dass mich da tatsächlich mein Stromanbieter anschreibt, beinahe hätte ich die Email direkt als Spam gelöscht. Ist natürlich reiner Zufall, dass Immergrün so Emails an Ihre Kunden schreibt, nicht wahr?

2. Betreff der Email

Ja, ein Schelm wer hier böses denkt. Ganz wichtig war dem Immergrün-Team noch die Klammer (für Gewerbekunden und Verbraucher) einzufügen, damit der Betreff auch schön lang wird. Ganz am Ende hängt noch schnell ein “und Ihrer Preise” an. Damit vielleicht im ein oder anderen Email-Programm der 123 Zeichen lange Betreff so abgekürzt wird wie auf meinem sekundären 1200 Pixel breiten Bildschirm auf dem ich Emails lese:

Das es auch anders geht, zeigt übrigens das Beispiel von MAINGAU Energie. MAINGAU Energie hat mit der Sache nichts zu tun, aber ich habe hier noch eine alte Email von denen im Posteingang:

Hmm… irgendwie anders, oder? Der Absender heisst MAINGAU Energie, und im 54 Zeichen-Betreff steht was von Energiepreis und meine Kundennummer. Wirkt ja fast so, als ob Immergrün es darauf angelegt hätte, dass ich das mit der Preiserhöhung überlese? Seltsam, seltsam…

3. Inhalt der Email

Der Knaller ist aber eigentlich die Email selbst. Die Erhöhung des Grundpreises um mehr als 200 %, also Mehrkosten von 162 € pro Jahr, werden in einem Halbsatz erwähnt. Man würde jetzt erwarten, dass der Anbieter die in Zukunft fälligen Gebühren übersichtlich darstellt. Ja, eventuell könnte der Anbieter ja sogar für mich die Rechnung aufmachen, und mir mitteilen, dass 13,50 € mehr pro Monat mal 12 eben 162,00 € ergeben. Ist das denn eigentlich netto oder brutto? Eigentlich muss das bei Preisen gekennzeichnet sein. Um auch an dieser Stelle nochmal MAINGAU zu bemühen, da ging eine Preiserhöhung mit einem ordentlichen Dokument, mit Kunden- und Zählernummer und mit einer Übersicht wie folgt:

Huch? Da ist ja sogar die enthaltene Umsatzsteuer erwähnt! Potzblitz!

Also, ganz ehrlich, ich weiß nicht, ob das Verhalten von Immergrün legal ist. Als Shop-Betreiber wäre schon die Angabe von Preisen ohne Hinweis auf die Umsatzsteuer abmahnfähig. Nach dieser Seite zu urteilen, könnte es sich um eine unzulässige, versteckte Preiserhöhung handeln. Ich habe keine Lust, das gerichtlich prüfen zu lassen, ich werde einfach den Anbieter wechseln.

Auf jeden Fall ist es offensichtlich, was Immergrün hier versucht.

Tatsächlich finden sich im Internet seitenweise Beschwerden über Immergrün, über nicht gezahlte Boni, über falsche Abschläge (Immergrün teilt die Kosten auf 11-monatliche Abschläge auf, zieht dann aber 12 davon ein) und vieles mehr.

Beispiele:

https://www.finanztip.de/community/thema/3942-stromanbieterwechsel-abschlag-abzocke-bei-immergr-c3-b-cn-365-ag

https://www.energate-messenger.de/news/150738/verbraucherzentrale-klagt-gegen-365-ag

Dieses Forum ist voll von Beschwerden, in einem Thema werden nur Klagen gegen Immergrün und 365 AG gesammelt:

https://forum.energienetz.de/index.php?board=772.0

Aus dem ersten Link möchte ich einen Beitrag von Februar 2018 zitieren, denn dieser Beschreibt die Problematik hervorragend:

Der Verbraucher kann bei Immergrün / 365 AG gleich über mehrere Fallstricke stolpern.

– In der Auftragsbestätigung ist lediglich die Rede von monatlichen Abschlagszahlungen.
Der normal verständige Verbraucher geht bei einer 12-monatigen Lieferung auch von 12 monatlichen Abschlagszahlungen aus und errechnet sich so die Höhe der monatlichen Abschlagszahlung.
Im Stromliefervertrag erscheint nun eine höhere monatliche Abschlagszahlung als vom Verbraucher errechnet. Eine Erklärung hierzu ist im Stromliefervertrag nicht zu finden – lediglich ein Verweis auf die kunden- und benutzerunfreundliche Website immergruen-energie.de. Auf Anfragen per Email wird nur zäh oder gar nicht im Sinne der Anfrage reagiert. Im Rahmen einer zeitaufwändigen telefonischen Nachfrage bei der Kundenbetreuung erfährt man, dass die Abschlagszahlungen des 12-monatigen Belieferungszeitraums auf 11 monatliche Abschlagszahlungen umgerechnet wurden. Trotz fristgerechter Kündigung des Stromliefervertrags wird unnötiger- und unberechtigterweise aber eine 12. Abschlagszahlung gefordert. Diese 12. Abschlagszahlung habe ich – auch nach Androhung mit Inkasso – nicht geleistet. Auf Erklärungsschreiben meinerseits wurde nicht reagiert. Erst nach Einschalten von VERIVOX wurde von der Forderung abgesehen.

– Im April 2017 erhielt ich ein unauffälliges Schreiben per Briefpost, das sich nicht nur wie ein lästiges Werbeschreiben las, sondern auch im Layout stark an ein solches erinnerte. Offensichtlich eine Masche, um von der darin beiläufig erwähnten 30%igen Arbeitspreiserhöhung ab 01.12.2017 abzulenken.

– Der versprochene Sofortbonus in Höhe von 60 € wurde nicht, wie in der Auftragsbestätigung und dem Stromliefervertrag schriftlich versichert, 60 Tage nach Lieferbeginn ausgezahlt / überwiesen. Erst nach eindringlichen telefonischen Nachhakens und Einschalten von VERIVOX wurde der Betrag, erst rd. 4 Wochen nachdem ersten Telefonat, überwiesen.

Da ich nach dem bisherigen Verlauf keinesfalls bei diesem Stromanbieter bleiben wollte, kündigte ich im August 2017 fristgerecht den Stromliefervertrag.

– Mit Bestätigung des Erhalts meiner Kündigung erhielt ich Anfang September ein Schreiben, in dem Immergrün / 365 AG nun plötzlich auffiel, dass das Unternehmen offensichtlich nicht über ein gültiges Lastschriftsmandat zum legitimen Einzug der monatlichen Abschlagszahlungen verfüge; dies nun, nachdem bisher monatelang per Lastschrift die monatlichen Abschläge von meinem Konto eingezogen wurden!?!?
Jedenfalls sollte ich künftige Zahlungen selbst per Überweisung pünktlich im Voraus zum Monatsanfang tätigen. Da bei verspäteteter oder ausbleibender Zahlung mit Inkasso bzw. Lieferstop gedroht wird, ist man versucht die Zahlungen per Dauerauftrag sicherzustellen.
Hier drohte nun die nächste Verbraucherfalle, da zu diesem Zeitpunkt bereits 10 Abschlagszahlungen eingezogen waren und nur noch 1 Abschlagszahlung zum Erreichen der prognostizierten Jahreskosten ausstand. Ich erkannte jedoch den Fallstrick und tätigte diese Zahlung fristgerecht per Einzelüberweisung.
(Es ist hinlänglich bekannt, dass man für Überweisungen und Daueraufträge selbst verantworlich ist, und die Rückerstattung eines bereits überwiesenen Betrags schwierig ist – zumal es bei Immergrün / 365 AG ja schon bei vertraglich fixierten Anspüchen nur verzögert und auf Nachfrage zu Erstattungen zu kommen scheint.)

– Für das Erstellen und Übermitteln der Jahresendrechnung reizte Immergrün / 365 AG – wie nicht anders erwartet – die vertraglich fixierte 6-Wochen-Frist voll aus. Das darin errechnete Guthaben wolle man zeitnah überweisen; was auch immer “zeitnah” in der Vorstellung von Immergrün / 365 AG bedeuten möge, hat nichts mit dem allgemeinen Verständnis von “zeitnah” zu tun. Da knapp 3 Wochen nach Erhalt der Jahresendrechnung kein Geldeingang festzustellen war, setzte ich schriftlich, wiederum unter Einschalten von VERIVOX, eine Frist und konnte mich dann endlich, am 07. Februar 2018 am Erstattungsbetrag erfreuen. Der 15%ige Neukundenbonus wurde übrigens berücksichtigt.

Fazit

Ich denke es ist klar, was ich mit diesem Beitrag sagen möchte: Finger weg von Immergrün! Ich habe selten einen derart unseriösen Auftritt erlebt. Ich bin gespannt, ob die Kündigung und er Wechsel von Immergrün weg nun reibungslos funktioniert. Wenn ich die Erfahrungsberichte anderer Kunden lese, gehe ich aktuell nicht davon aus. Ich werde berichten.

Weiter Informationen zum Thema Immergrün und Hinweise für Kunden finden sich hier: http://verbraucherhilfe-stromanbieter.de/immergruen-erfahrungen/

Update

Und hier kommt schon das erste Update: Nun habe ich einiges über Immergrün und die 365 AG im Internet lesen dürfen, was mich gleich dazu bewogen hat, meine Abrechnungen zu kontrollieren. Und wer hätte es gedacht: Auch bei mir stimmt was nicht.

Bei Vertragsschluss habe ich einen erwarteten Verbrauch von 2000 kWh angegeben. Angeboten wurden: Grundpreis 6,50 € im Monat, Arbeitspreis 0,2233 € / kWh.

In der Vertragsbestätigung stand dann ohne weiteren Hinweis 2239 kWh drin. Immergrün übernimmt hier ihre eigene “Verbrauchsprognose”. Soll heissen: Der Verbrauch vom Vorjahr. An sich ist das schon frech, es hat ja schon Gründe, warum ich 2000 kWh angegeben habe. Immergrün tut gerade so, als wüssten Sie es besser. Ich schreibe nicht wie im Jahr zuvor meine Masterarbeit zu Hause und arbeite auch nicht mehr von zu Hause… ich werde ganz sicher weniger Strom brauchen. Egal. Der Knaller ist ein ganz anderer, und zwar versucht Immergrün auch bei mir über dubiose Rechnungen an mehr Geld zu kommen als vereinbart.

Rechnen wir doch mal den Abschlag aus. Die jährlichen Kosten betragen 12 * 6,50 € + 2239 * 0,2233 € = 577,97 €, ergibt einen Abschlag von 48,16 € monatlich.

Der Abschlag in der Vertragsbestätigung beläuft sich auf 53,00€. Huch? Versuchen wir doch mal 577,97 € durch 11 zu teilen: 52,54 €, aufgerundet 53 €. Na das ist ja spannend!

Blick aufs Konto. Immergrün hat heute, im letzten Monat der Vertragslaufzeit, das zwölfte mal 53,00 € abgebucht. Ich habe insgesamt also 636,00 € bezahlt.

Hätte Immergün meine Prognose von 2000 kWh übernommen, wär der Gesamtpreis übrigens nur 524,60 € gewesen, Immergrün hat also über 100 € mehr als notwendig und 53 € mehr als vereinbart abgebucht.

Anruf bei der Kundenhotline. Beim ersten Mitarbeiter sitzt das Skript noch schlecht, scheinbar noch nicht lange dabei. Ein paar naive Fragen später ist der junge Mann selbst total verwirrt und kann nicht erklären, ob jetzt durch 11 oder 12 geteilt wird, 11 oder 12 mal abgebucht wird, und warum überhaupt. Zwischendurch wollte er mir weismachen, dass ich in der Endabrechnung das Geld für den letzten Monat ja zurückbekomme, das wäre also sogar ein Freimonat!

Da musst du natürlich erstmal drauf kommen. Die Kosten eines Jahres durch 11 teilen, 12 mal abbuchen und dem Kunden dann den letzten Monat schenken! Freie Energie!

Ich lasse mich von “der Fachabteilung” zurückrufen, wo mir ein etwas besser geschulter Mitarbeiter  was von “Guthabenpolster” erzählt. Ist ja alles kein Problem, wird ja mit der Endabrechnung zurückgezahlt. Scheinbar stand bei Immergrün früher mal ein Hinweis zu diesem Trick mit dem auf 11 Monate gerechneten Abschlag im Vertrag drin. Er war sich ganz sicher, dass mir das irgendwo erklärt wurde. Tja, dumm nur, wenn ich mich damit nicht abspeisen lasse und darum bitte, mir doch mal zu sagen, wo. Ich habe ihn dann minutenlang danach suchen lassen, und als er es auch mit wirklicher Mühe weder in den AGBs noch im Vertrag finden konnte, kam der Mitarbeiter zu dem Schluss, dass Immergrün mich darüber ja gar nicht informieren müsse. Haben wir nicht vereinbart, machen wir aber so. Ahja.

Ich gehe in meine Stammkneipe, und bestelle ein Bier. Der Barkeeper stellt mir zwei hin, weil ich sonst ja auch immer zwei trinke. Ich wollte zwar heute Abend nur eins, aber egal. Ich muss das zweite ja nicht trinken. Daraufhin muss ich drei Bier bezahlen. Aber das ist ja kein Problem, ein Bier wird mir auf jeden Fall wieder von der Rechnung abgezogen, und wenn ich wirklich nur eins trinke, muss ich auch nur eins bezahlen. WTF?

Nicht nur erhöhrt Immergrün die Verbrauchsschätzung selbstständig um 12 %, in Summe werden dann noch 110% an Abschlägen abgebucht, ohne dass das vertraglich vereinbart ist.

Ich habe daraufhin eine sofortige Erstattung der letzten Abschlagszahlung gefordert, was mir dann, nach zweifacher Rücksprache mit irgendeinem Vorgesetzten, tatsächlich zugesichert wurde. Jetzt bin ich ehrlich gespannt, ob das auch passiert. Ich wollte noch wissen, ob ich diese Zusage schriftlich haben könnte. Das ginge wohl nicht, aber da ja alle Gespräche aufgezeichnet werden, könnte ich mir die Uhrzeit notieren, das könnte man dann jederzeit nachvollziehen. Interessant, denn es war ein Rückruf ohne entsprechende Bandansage vorher, demzufolge wäre die Aufzeichnung illegal. Und das schon lange, nicht erst seit der DSGVO.

Wird immer besser mit Immergrün.

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